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ARTIKEL #2

Die Anwendung: eine Frage der Zugänglichkeit und der Erfahrung

ARTIKEL #2//7 MIN//07/08/2026

DieAnwendung:eineFragederZugänglichkeitundderErfahrung

Das beste Modell der Welt nützt nichts hinter einer frustrierenden Oberfläche. Zweites Kapitel: die Schicht, die Ihre Nutzer tatsächlich sehen.

Aah, unser erstes richtiges Kapitel! Wir beginnen mit dem am „einfachsten“ zu Fassenden: dem, was Sie sehen! Der Oberfläche, über die Sie mit Ihrer KI interagieren.

Das mag nebensächlich wirken, ist aber in Wirklichkeit entscheidend für den Erfolg eines Projekts. Sehr oft bestimmen die Art, wie eine Oberfläche Ihnen eine Information zurückgibt, und das Gefühl bei der Nutzung darüber, ob die Nutzer das Produkt annehmen. Sie können das beste KI-Modell der Welt unter der Haube haben: Ist die Oberfläche frustrierend, wird sie niemand nutzen.

Die Anwendung als eigentliches Unterscheidungsmerkmal

Nehmen wir ChatGPT: ein simples Textfeld (ein Chat), das sich mit Ihnen unterhalten, Texte verfassen oder Bilder erzeugen kann. Das war großartig, sofort verständlich, hochgradig intuitiv!

Erinnern Sie sich: Wie funktionierten Chatbots davor? Es waren starre, vorkonfigurierte Skripte, die einen in 9 von 10 Fällen in eine frustrierende Sackgasse führten („Ich habe Ihre Anfrage nicht verstanden, möchten Sie mit einem Mitarbeiter sprechen?“).

Aber Vorsicht: Der Chat ist nicht die einzige — und nicht immer die beste — Oberfläche!

Schauen wir in die Welt der Entwickler. Warum sind Werkzeuge wie Cursor oder GitHub Copilot gegenüber einem schlichten ChatGPT derart durchgestartet? Weil sie den Entwickler nicht zwingen, ständig zwischen Browser und Code-Editor hin- und herzukopieren. Die KI ist direkt dort eingebettet, wo gearbeitet wird: mitten im Code.

Genauso im Alltag: Stellen Sie einem Chatbot lieber 15 Fragen, um eine Zugfahrkarte zu buchen, oder klicken Sie in einem gut durchdachten Formular auf 3 Schaltflächen? Die Antwort liegt auf der Hand. KI soll das Leben vereinfachen, nicht überflüssige Gesprächsschritte hinzufügen.

Immer von der gewünschten Erfahrung ausgehen

Im Produktmanagement ist das eine Selbstverständlichkeit: Bevor man sich fragt, wie man etwas umsetzt (welches Modell, welche Infrastruktur …), muss man die entscheidende Frage stellen:

Das klingt banal, doch in 80 % der KI-Projekte läuft es heute umgekehrt: Man kauft KI ein und sucht anschließend, wo man sie unterbringen könnte.

Die goldenen Regeln guter KI-UX

Da KI keine Software wie jede andere ist (sie zögert, sie braucht Zeit zum Antworten, sie kann sich irren), muss die Anwendung besondere Einschränkungen auffangen:

  • Der Umgang mit Zeit (Latenz). Ein KI-Modell braucht mehrere Sekunden zum Nachdenken. Die Oberfläche muss zeigen, dass die KI arbeitet. Deshalb erscheint der Text Wort für Wort (das Streaming, der Schreibmaschineneffekt): Das erzeugt ein Gefühl von Unmittelbarkeit und hält die Aufmerksamkeit.
  • Transparenz und das Recht auf Irrtum. KI kann halluzinieren. Die Anwendung muss die Überprüfung also erleichtern: Quellen anzeigen, eine Schaltfläche „Neu generieren“ oder „Eingabe ändern“ anbieten.
  • Nutzer-Feedback. Die kleinen Daumen hoch und runter 👍 👎 sind nicht zur Zierde da! Sie erlauben der Anwendungsschicht, Daten zur Antwortqualität zu sammeln und die Erfahrung künftig zu verbessern.

Der große Trend: die spontan erzeugte Oberfläche (GenUI)

Bislang gab es zwei streng getrennte Welten:

  • Klassische Anwendungen (GUI). Feste Bildschirme, von Designern entworfen. Man klickt auf Schaltflächen, Menüs, Karten. Das ist schnell, aber starr.
  • Der Chatbot (NLI). Eine weiße Seite mit einem Textfeld. Unendlich flexibel, aber Textblöcke von 500 Wörtern zu lesen ist mühsam und nicht immer effizient.

Warum also wählen? Genau hier setzt die derzeitige große Revolution im Anwendungsdesign an: die spontan erzeugte Oberfläche (oder Generative UI).

Was heißt das konkret?

Statt Ihnen ausschließlich mit rohem Text oder Markdown zu antworten, erzeugt die KI genau die grafische Oberfläche, die Sie brauchen — in dem Moment, in dem Sie sie brauchen.

  • Sie bitten die KI, Ihre Reise zu organisieren? Statt Ihnen 10 Hotels als Text aufzulisten, erscheint eine interaktive Karte mit einem Schieberegler für Ihr Budget und Schaltflächen, um Ihre Wahl zu bestätigen.
  • Sie lassen zwei Angebote vergleichen? Sie bekommen keinen Roman, sondern eine spontan erzeugte dynamische Vergleichstabelle, in der Sie Optionen ankreuzen oder Werte direkt ändern können.
  • Sie wollen Ihre Verkaufszahlen auswerten? Die Anwendung baut maßgeschneidert ein Dashboard mit interaktiven Diagrammen, das einzig für Ihre Frage entsteht.

Das Beispiel im großen Maßstab: Netflix und das Projekt GenPage

Falls Sie glauben, Generative UI sei etwas für Ingenieurs-Demos auf Twitter: weit gefehlt. Die Großen setzen es bereits ein.

In einem faszinierenden Fachartikel hat Netflix offengelegt, wie dort die Erzeugung von Oberflächen durch KI getestet wird. Das Prinzip? Ihr Sehverlauf und die Tageszeit werden als Prompt an ein generatives KI-Modell übergeben. Statt aus starren Menüs zu schöpfen, zeichnet das Modell die Startseite Ihrer Anwendung buchstäblich in Echtzeit. Es passt die Anordnung der Blöcke an, die Art der angezeigten Informationen und sogar die visuelle Gestaltung — eigens für Sie.

GenPage: die generative Startseite von NetflixNetflix Tech Blog, auf Englisch

Morgen werden Sie und Ihr Nachbar bei Netflix nicht nur unterschiedliche Empfehlungen haben: Sie werden nicht dieselbe Anwendung haben.

Warum ist das die Zukunft der KI-Anwendung?

Weil es das größte Ergonomieproblem der KI löst: die Reibung bei der Eingabe.

Einen dreizeiligen Prompt zu tippen, um ein Detail zu korrigieren, ist mühsam. Einen Regler zu schieben, eine Option anzuklicken oder einen Balken zu verschieben — auf einer Oberfläche, die die KI spontan erzeugt hat — ist flüssig.

In diesem Ansatz ist die Anwendung keine ein für alle Mal gegossene Form mehr: Sie ist ein Chamäleon, das die grafischen Bausteine nach der Absicht des Nutzers zeichnet. Und für die Nutzererfahrung ist das ein echter Sprung nach vorn.

Kurz gefasst

Die Anwendung ist die Brücke zwischen der komplexen Magie der KI-Modelle und dem Alltag Ihrer Nutzer.

Nachdem wir nun die Spitze des Eisbergs gesehen haben (die Oberfläche), schauen wir uns an, was direkt darunter passiert, wenn Sie „Enter“ drücken … Bis zum Kapitel 3, über die Softwareschicht und die Orchestrierung!

Benjamin

GESCHRIEBEN VON
Benjamin De AlmeidaLinkedIn ↗Benjamin De Almeida

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